Wie lässt sich künstliche Intelligenz im Krankenhaus sicher einsetzen? Beim Fachkongress „Digitales Krankenhaus“ in Erfurt zeigte Dr. Manfred Criegee-Rieck vom Klinikum Nürnberg einen bodenständigen Ansatz. Der Mathematiker und IT-Leiter räumte mit der Vorstellung auf, dass KI-Projekte zwangsläufig komplex sein müssen.
Dr. Manfred Criegee-Rieck vom Klinikum Nürnberg während seines Vortrags beim Event „Digitales Krankenhaus“ in Erfurt. Er präsentiert einen pragmatischen Ansatz zur KI-Implementierung im Krankenhausumfeld.
Cloud oder eigener Server? Die Gretchenfrage
Die Wahl des Betriebsmodells prägt den gesamten Projektverlauf. Während Cloud-Lösungen mit geringen Anfangsinvestitionen ab 10.000 Euro locken, bieten hauseigene Systeme trotz höherer Startkosten von mindestens 50.000 Euro entscheidende Vorteile: Die Daten bleiben im Haus, die Betriebskosten sind planbar, und die Klinik behält die volle Kontrolle über Updates.
Vom Einfachen zum Komplexen
Criegee-Rieck plädiert für einen pragmatischen Einstieg: „Beginnen Sie mit leicht zugänglichen Daten wie Dateien und Office-Dokumenten.“ Erst später sollten komplexere Systeme wie das Krankenhausinformationssystem angebunden werden. Der Integrationsaufwand steigt dabei von wenigen Wochen auf bis zu eineinhalb Jahre.
Die Reifeprüfung für KI-Anwendungen
Nicht jeder Anwendungsfall eignet sich für den Einstieg. Der IT-Experte empfiehlt eine Priorisierung nach KI-Reife:
- Wissensmanagement: Informationen finden und strukturieren
- Administration: Übersetzen, Dokumentieren, Anträge schreiben
- Automatisierung: Termine planen, Ressourcen steuern
- Entscheidungsunterstützung: Bildanalyse, Diagnostik
Dabei sollten regulatorische Anforderungen, Integrationsaufwand und Risikopotential stets im Blick behalten werden.
In vier Schritten zum Erfolg
Der Nürnberger Fahrplan zur KI-Integration ist überzeugend:
- Hosting-Option festlegen
- Technische Basis schaffen
- Anwendungsfälle mit Teams entwickeln
- Schrittweise mehr Datenquellen anbinden
Entscheidend sei, Datenschutz- und Sicherheitsbeauftragte von Anfang an einzubinden. Als Kernteam genügen ein Projektleiter (halbe Stelle), ein IT-Administrator (Viertelstelle), DSB/ISB (5 Prozent) und zwei bis drei Pilotanwender mit je 10 Prozent ihrer Arbeitszeit.
basebox: KI-Managementsystem für Kliniken
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte René Herzer basebox vor. basebox setzt den pragmatischen Ansatz technisch um und bietet flexible Hosting-Optionen bei DSGVO-konformer Datenverarbeitung. Erste produktive Anwendungen sind bereits nach vier bis acht Wochen möglich.
Den vollständigen Vortrag von Dr. Manfred Criegee-Rieck und René Herzer können Sie hier als Video ansehen.
Dr. Manfred Criegee Rieck, Daniel Zboril, Kassenärtzliche Vereinigung Bayern, Lizzy Herzer, René Herzer, basebox