DWT-Tagung Bonn: Warum die Bundeswehr On-Premise-KI braucht – drei Erkenntnisse

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15.12.2025

Lizzy Herzer

Keep control
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Beobachtungen von der Fachtagung im Hotel Maritim Bonn

Der Konferenzraum im Hotel Maritim Bonn füllt sich an diesem Dezembermorgen mit einer homogenen Runde: Uniformierte Offiziere, etablierte Industrievertreter und Forschungsleiter dominieren das Bild. Als eine der wenigen Startup-Vertreterinnen falle ich hier auf – und das macht die Diskussion umso interessanter. Die DWT-Tagung "Das neue System Innovation für die Bundeswehr" verspricht Innovation, aber wie offen ist diese Runde wirklich für neue Ansätze?


Generalinspekteur der Bundeswehr, Generalleutnant Carsten Breuer

Erkenntnis 1: Datensouveränität wird zum Schlüsselfaktor

Dr. Hans C. Atzpodien vom BDSV liefert gleich zu Beginn eine ernüchternde Zahl: Europa gibt nur ein Zehntel der US-Ausgaben für militärische Innovation aus. Diese "Zeitenwende 2.0", wie er es nennt, zeigt sich besonders deutlich bei Software-Lösungen. Seine zentrale Frage bringt das Dilemma auf den Punkt: "Wem gehören die Updates?"

Diese scheinbar simple Frage entlarvt ein fundamentales Problem: Wenn kritische Systeme von externen Software-Updates abhängen, wer kontrolliert dann eigentlich die Technologie? Die Frage nach Datensouveränität wird hier sehr konkret.


Erkenntnis 2: Innovation braucht radikalen Pragmatismus

Oberst Bender vom neu gegründeten Innovationszentrum der Bundeswehr formuliert es überraschend direkt: "Umdenken von Perfektion zu Flexibilität und Skalierbarkeit von Innovationen." Mit 77 Dienstposten soll das InnoZBw Technologiekampagnen zu unbemannten Systemen und Schwarmfähigkeiten vorantreiben.

Richard Haas vom Startup-Verband bringt die wirtschaftliche Perspektive ein: Von 23.000 deutschen Startups sind 11 Prozent DeepTech-Unternehmen. Seine Kernaussage: "Innovation braucht Risikotoleranz und Startups brauchen Verträge auch in frühen Phasen."

Benders Paradigmenwechsel von Perfektion zu Flexibilität zeigt: Endlich scheint sich das Bewusstsein zu ändern, dass Innovation Zeit und Experimentierraum braucht.


Erkenntnis 3: Software Defined Defence wird zur Realität

Prof. Holger Hanselka von Fraunhofer benennt das Kernproblem klar: "Lange Entscheidungsprozesse und Bürokratie verzögern die Integration neuer Technologien." Sein Lösungsansatz klingt pragmatisch: "Schnelles Testen von Innovationen in realistischen Umgebungen inklusive Nutzerfeedback."

MinDirig Schott vom BMVg macht "Software Defined Defence" zu einem seiner sechs Innovationsprinzipien. Das Konzept bedeutet im Kern: Militärische Fähigkeiten werden zunehmend durch Software bestimmt, nicht mehr nur durch Hardware. Systeme können durch Updates neue Funktionen erhalten, verschiedene Plattformen können flexibel vernetzt werden, und KI-Algorithmen übernehmen immer mehr Aufgaben.

Am Beispiel des Coalition Shared Data Servers zeigt Hanselka, wie das praktisch aussieht: STANAG-konforme Datentransformation löst das Problem "behinderter Informationsaustausch durch inkompatible Datensysteme in multinationalen Operationen."

Dr. Holtmannspötter vom Innovationslabor System Soldat arbeitet bereits an Assistenzsystemen – ein klassisches Beispiel für Software Defined Defence, wo KI-Lösungen direkt die Einsatzfähigkeit bestimmen.


Die Logik souveräner KI-Lösungen

Alle Redner kreisen um dasselbe Thema: Wie kann Deutschland technologische Souveränität erreichen, ohne die Innovationsgeschwindigkeit zu verlieren?

Atzpodiens Frage nach dem Eigentum an Updates, Hanselkas Betonung der technologischen Souveränität und Schotts "Software Defined Defence"-Konzept machen deutlich: KI-Systeme müssen vollständig unter eigener Kontrolle stehen.

Die logische Konsequenz sind On-Premise-KI-Lösungen. Sie ermöglichen KI-Funktionalitäten direkt in den eigenen Systemen ohne externe Abhängigkeiten oder Datenübertragung in fremde Clouds. Das entspricht sowohl den Sicherheitsanforderungen als auch Benders "radikalem Pragmatismus" – schnelle, flexible Umsetzung ohne Kompromisse bei der Datensicherheit.


Meine wichtigsten Takeaways:

  1. Der Bedarf ist konkret und dringend – Alle sprechen von Datensouveränität und schneller Innovation, die Bereitschaft für neue Lösungen ist spürbar

  2. Paradigmenwechsel ist eingeleitet – Benders Fokus auf Flexibilität statt Perfektion öffnet Türen für agile Ansätze

  3. On-Premise wird zur Notwendigkeit – Software Defined Defence erfordert lokale Kontrolle über kritische KI-Systeme


Der Weg nach vorn

Die Diskussionen in Bonn zeigen: Deutschland hat nicht nur die Herausforderungen erkannt, sondern auch konkrete Strukturen geschaffen. Das InnoZBw mit 77 Dienstposten, Hanselkas Innovationspartnerschaften und Schotts sechs Prinzipien – hier entsteht ein Ökosystem, das bereit ist für neue Technologien.

Die Technologie für souveräne KI-Lösungen existiert bereits. Jetzt geht es um die richtige Umsetzung und den Mut, etablierte Wege zu verlassen.

Arbeiten Sie an Projekten, die echte Datensouveränität erfordern? Die Diskussion über On-Premise-KI-Lösungen und deren strategische Bedeutung wird immer relevanter.

(c) Fotos: DWT

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