Forschungsprojekt analysiert Patientendaten und erstellt begründete Vorschläge.
Die Entscheidung trifft das Tumorboard. Ein neues KI-System liest die vorhandenen Routinedaten eines Falls, etwa Arztbriefe sowie Radiologie-, Pathologie- und Laborbefunde, und gleicht sie mit onkologischen Leitlinien, Fachliteratur und früheren Beschlüssen des Tumorboards ab. Daraus entsteht ein Vorschlag für den Beschluss des Tumorboards. Die behandelnden Fachärztinnen und Fachärzte prüfen den Vorschlag, die Entscheidung trifft das Tumorboard. Das Projekt trägt den Namen OnkoBot.
Das Klinikum der Technischen Universität München (TUM Klinikum) und die basebox GmbH entwickeln OnkoBot gemeinsam im Rahmen des Förderprogramms Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben von August 2025 bis August 2027. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. med. Lisa Adams, Radiologin am Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des TUM Klinikums. Die Radiologie ist festes Mitglied der interdisziplinären Tumorboards. Ärztinnen und Ärzte der onkologischen Fachrichtungen begleiten die Entwicklung und bewerten die Vorschläge.
Tumorboards sind ein fester Bestandteil der onkologischen Versorgung. Mehrere Fachrichtungen beraten dort gemeinsam über den Behandlungsweg einer Patientin oder eines Patienten. Die Grundlage bilden Leitlinien, die häufig mehrere hundert Seiten umfassen und regelmäßig aktualisiert werden. Für jeden Fall werden Befunde aus vielen Quellen zusammengeführt und mit dem aktuellen Stand der Leitlinien abgeglichen. Diese Vorbereitung bindet ärztliche Arbeitszeit.
OnkoBot unterstützt diese Vorbereitung. Das System übersetzt die Leitlinien in der zum Zeitpunkt des Tumorboards gültigen Fassung in Entscheidungsregeln und wählt die Regeln aus, die zur klinischen Situation passen. Jede Aussage eines Vorschlags wird mit einem wörtlichen Zitat aus der Patientenakte, den Leitlinien, der Fachliteratur oder früheren Tumorboard-Fällen verknüpft. Das System prüft automatisch, ob jedes Zitat in der angegebenen Quelle steht. Ärztinnen und Ärzte sehen so, worauf ein Vorschlag beruht, und können ihn prüfen, ändern oder verwerfen.
Am TUM Klinikum läuft derzeit eine retrospektive Validierung. Forschende vergleichen die Vorschläge von OnkoBot mit den tatsächlichen Beschlüssen vergangener Tumorboards und prüfen, ob die angegebenen Zitate in den Quellen stehen. Die Beschlüsse der Tumorboards dienen als Referenz. Ärztinnen und Ärzte der jeweiligen Tumorboards bewerten die Vorschläge zusätzlich in einer Leserstudie.
Nach Abschluss der Entwicklung läuft OnkoBot als Anwendung auf der KI-Plattform von basebox. Die Falldaten bleiben im Klinikum. Kliniken binden OnkoBot in ihre bestehende IT-Infrastruktur ein, ohne dass Patientendaten extern verarbeitet werden.
„Wir testen OnkoBot nur mit den Informationen, die dem Tumorboard am Tag der Besprechung vorlagen. So messen wir, was das System in der realen Entscheidungssituation leistet“, sagt Prof. Dr. med. Lisa Adams, Projektleiterin am TUM Klinikum. „Die Therapieentscheidung trifft das Tumorboard. OnkoBot nimmt den onkologischen Kolleginnen und Kollegen Vorarbeit ab und macht jede Aussage überprüfbar.“
„Eine Boardempfehlung ist nur so gut wie ihre Quellen“, sagt René Herzer, Gründer und Geschäftsführer der basebox GmbH. „OnkoBot zeigt für jeden Vorschlag, woher er kommt. Das entscheidet am Ende, ob die Ärzteschaft dem System vertraut.“
In Deutschland erkranken jährlich rund 500.000 Menschen neu an Krebs, etwa vier Millionen Menschen leben mit einer onkologischen Diagnose. OnkoBot untersucht, wie KI die Arbeit der Tumorboards unterstützt, ohne dass Patientendaten die Klinik verlassen.
Über basebox
basebox ist die rechtssichere KI-Plattform für Krankenhäuser, Behörden und regulierte Organisationen. Sie bietet vollständige KI-Funktionalität inklusive Chat, Suche, Dokumentenverarbeitung und KI-Agenten (ab November 2026) auf Basis eigener Leitlinien, SOPs und Daten. Der Betrieb erfolgt auf eigener Hardware oder in einem deutschen Rechenzentrum. basebox ist ISO 27001 zertifiziert und DSGVO-konform. Das Unternehmen wurde 2022 gegründet und hat seinen Sitz in Utting am Ammersee.
Projektfakten
- FuE-Projekt: OnkoBot – KI-gestützte Leitlinien- und Standard Operating Procedures (SOPs)-Navigation für die Onkologie
- Teilprojekt basebox: OnkoBot – KI-gestützte Plattform für sichere und effiziente Leitlinien- und Standard Operating Procedures (SOPs-)-Nutzung in der Onkologie
- Projektakronym: OnkoBot
- Förderkennzeichen: KK6050201BM5
- Start: 01.08.2025
- Laufzeit: 25 Monate
- Projektleiterin: Prof. Dr. med. Lisa Adams, Radiologin am Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des TUM Klinikums
- Programmrahmen: Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)
- Ein FuE-Verbundprojekt zwischen: TUM Klinikum und basebox GmbH



