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Recht und DatenschutzStand René HerzerMit KI erstellt

Barrierefreiheit von KI-Chatbots: BITV 2.0, EN 301 549, WCAG

Öffentliche Stellen müssen Websites, Apps und interne Anwendungen barrierefrei gestalten, also auch KI-Chatbots und KI-Plattformen für Beschäftigte (BGG, BITV 2.0 und Landesrecht). Maßstab ist die Norm EN 301 549, die auf den WCAG beruht. Unternehmen trifft das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, wenn der Chatbot Teil einer Dienstleistung für Verbraucher ist. Wichtig sind Tastaturbedienung, Bildschirmleser, Zeitlimits und verständliche Antworten.

Wer muss KI-Chatbots barrierefrei machen?

Wer Rechtsgrundlage Was erfasst ist
Bundesbehörden § 12a BGG, BITV 2.0 Websites, Apps, Intranet, elektronische Verwaltungsabläufe, Programmoberflächen
Landes- und Kommunalbehörden Behindertengleichstellungsgesetze und Verordnungen der Länder vergleichbar, je Land geregelt
Unternehmen mit Angeboten für Verbraucher Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), seit 28. Juni 2025 u. a. Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, Bankdienstleistungen, Telekommunikation
Arbeitgeber § 164 Abs. 4 SGB IX Anspruch schwerbehinderter Beschäftigter auf einen behinderungsgerecht eingerichteten Arbeitsplatz

Alle drei Regelwerke gehen auf EU-Recht zurück: die Richtlinie (EU) 2016/2102 für öffentliche Stellen und den European Accessibility Act (Richtlinie (EU) 2019/882) für Produkte und Dienstleistungen.

Für Behörden heißt das: Ein Chatbot auf der Website ist Teil der Website. Eine KI-Plattform, mit der Beschäftigte Bescheide entwerfen, ist eine Programmoberfläche und Teil der elektronischen Vorgangsbearbeitung. Beides muss barrierefrei sein. Bei Neuanschaffungen ist Barrierefreiheit schon in Planung und Ausschreibung zu berücksichtigen (§ 12a Abs. 3 BGG).

Welche Normen gelten: BITV, EN 301 549, WCAG?

Die BITV 2.0 selbst nennt keine Norm. Sie verlangt, dass Angebote wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sind, und vermutet das, wenn die harmonisierten Normen eingehalten sind, die im Amtsblatt der EU genannt sind (§ 3). Das ist die EN 301 549. Für Web-Inhalte übernimmt sie die WCAG des W3C bis Stufe AA.

  • EN 301 549 V3.2.1 beruht auf WCAG 2.1 und ist bis auf Weiteres der Maßstab.
  • EN 301 549 V4.1.1 ist am 2. September 2026 erschienen und beruht auf WCAG 2.2. Rechtliche Vermutungswirkung bekommt sie erst, wenn die EU-Kommission sie im Amtsblatt nennt; das stand am 11. Oktober 2026 noch aus.

Für Ausschreibungen spricht nichts dagegen, schon heute WCAG 2.2 Stufe AA zu verlangen.

Worauf kommt es bei einem Chatbot an?

Chatbots haben eigene Stolperstellen, weil Inhalte laufend nachgeladen werden und Antworten frei formuliert sind.

Thema Prüffrage WCAG-Bezug
Bildschirmleser Wird eine neue Antwort angesagt, ohne dass der Fokus springt? 4.1.3 Statusmeldungen
Tastatur Lässt sich alles ohne Maus bedienen, auch Senden, Kopieren, Dateien anhängen? 2.1.1 Tastatur, 2.4.7 Fokus sichtbar
Zeitlimits Läuft die Sitzung ab, während jemand langsam tippt oder liest? 2.2.1 Zeitlimits anpassbar
Vergrößerung Bleibt der Chat bei 400 % Zoom und schmalem Fenster bedienbar? 1.4.10 Umbruch
Kontrast Sind Text, Schaltflächen und Eingabefeld ausreichend kontrastreich? 1.4.3, 1.4.11
Anmeldung Geht die Anmeldung ohne Rätsel oder abgetippte Codes? 3.3.8 Barrierefreie Authentifizierung (WCAG 2.2)
Hilfe Steht der Chatbot, wenn er Hilfe ist, auf allen Seiten an derselben Stelle? 3.2.6 Konsistente Hilfe (WCAG 2.2)
Ausgaben Haben erzeugte Bilder einen Alternativtext, sind erzeugte PDFs barrierefrei? 1.1.1, EN 301 549 Kap. 10
Sprache Antwortet der Chatbot verständlich, auf Wunsch in Leichter Sprache? 3.1.5 (AAA), § 4 BITV 2.0

Eine Hilfe: Ein Chatbot, der auf Nachfrage kürzer, einfacher oder in einer anderen Sprache antwortet, kann Barrieren abbauen. Er ersetzt aber weder eine barrierefreie Oberfläche noch geprüfte Texte in Leichter Sprache. Mehr dazu im Ratgeber Leichte Sprache und KI-Übersetzung in Behörden.

Was gehört in die Ausschreibung?

  • Anforderung: Konformität mit EN 301 549 in der geltenden Fassung, für Web-Oberflächen WCAG 2.1 oder 2.2 Stufe AA.
  • Nachweis: Prüfbericht oder Konformitätsbericht des Anbieters, möglichst von einer unabhängigen Stelle; Liste offener Mängel mit Zeitplan.
  • Ausgaben: Barrierefreie Dokumente, wenn die KI Dateien erzeugt.
  • Pflege: Zusage, dass Updates die Barrierefreiheit nicht verschlechtern.
  • Erklärung zur Barrierefreiheit: Die öffentliche Stelle braucht sie für ihr Angebot (§ 7 BITV 2.0); Angaben des Anbieters helfen beim Ausfüllen.

Mehr zur Beschaffung auf /ausschreibung.

Wer prüft die Einhaltung?

Für den Bund überwacht die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund) die Websites und Apps öffentlicher Stellen; die Länder haben eigene Überwachungsstellen. Beim BFSG sind die Marktüberwachungsbehörden der Länder zuständig. Betroffene können sich bei öffentlichen Stellen über den Rückmeldeweg aus der Erklärung zur Barrierefreiheit melden und danach an die Schlichtungsstelle wenden.

Wie geht das mit basebox?

basebox ist heute noch nicht vollständig barrierefrei. Ab 2027 wird basebox barrierefrei sein. Planen Sie basebox für Beschäftigte, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, oder für einen Einsatz, der unter die BITV 2.0 fällt, sprechen Sie uns vorher an: Wir sagen Ihnen, wie der Stand für Ihren Einsatz ist (Kontakt).

Keine Rechtsberatung: Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Rechtslage in Deutschland, Stand 11. Oktober 2026. Die Länder regeln die Barrierefreiheit ihrer Behörden und Kommunen selbst. Die Fundstelle der EN 301 549 V4.1.1 im Amtsblatt der EU stand noch aus; prüfen Sie vor einer Ausschreibung den aktuellen Stand.

Häufige Fragen

Gilt die BITV 2.0 auch für eine KI-Plattform, die nur Beschäftigte nutzen?

Ja. Für öffentliche Stellen des Bundes umfasst die Pflicht ausdrücklich Angebote im Intranet, elektronisch unterstützte Verwaltungsabläufe und grafische Programmoberflächen (§ 12a BGG, § 2a BITV 2.0). Die Länder haben vergleichbare Regeln für Landes- und Kommunalbehörden.

Welche WCAG-Version gilt?

Die BITV 2.0 verweist auf die harmonisierten Normen. Bis die neue EN 301 549 V4.1.1 im Amtsblatt der EU genannt ist, bleibt V3.2.1 mit WCAG 2.1 Stufe AA maßgeblich. V4.1.1 vom September 2026 beruht auf WCAG 2.2. Wer heute ausschreibt, kann WCAG 2.2 AA verlangen.

Muss ein kleines Unternehmen seinen Chatbot barrierefrei machen?

Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, sind vom Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ausgenommen (§ 3 Abs. 3 BFSG). Kleinstunternehmen sind solche mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz oder Bilanzsumme.

Reicht eine Erklärung zur Barrierefreiheit?

Nein. Öffentliche Stellen müssen die Anforderungen erfüllen und zusätzlich in der Erklärung darlegen, wie weit sie das tun, mit einem Weg für Rückmeldungen (§ 7 BITV 2.0). Ausnahmen wegen unverhältnismäßiger Belastung sind dort zu begründen.

Quellen

  1. Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0), §§ 2a, 3, 4, 7 (gesetze-im-internet.de) ↗
  2. § 12a BGG: Barrierefreie Informationstechnik öffentlicher Stellen des Bundes ↗
  3. Richtlinie (EU) 2016/2102 über den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen (EUR-Lex) ↗
  4. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), § 1 Anwendungsbereich ↗
  5. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), § 2 Nr. 17: Kleinstunternehmen ↗
  6. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), § 3 Abs. 3: Ausnahme für Kleinstunternehmen ↗
  7. Richtlinie (EU) 2019/882 (European Accessibility Act, EUR-Lex) ↗
  8. W3C: Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 ↗
  9. Davis Wright Tremaine: EN 301 549 V4.1.1 veröffentlicht am 2. September 2026 (September 2026) ↗
  10. § 164 Abs. 4 SGB IX: behinderungsgerechte Einrichtung des Arbeitsplatzes ↗
  11. BFIT-Bund: Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik ↗

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, auf Grundlage der genannten Quellen. Verantwortlich für den Inhalt: basebox GmbH. Keine Rechtsberatung, keine Haftung. Stand der Recherche: 11. Oktober 2026.

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