KI und Geoportal: Wie eine KI-Plattform an Masterportal und CIVITAS/CORE kommt
Eine KI-Plattform bindet nicht das Masterportal selbst an, sondern die Dienste dahinter. Das Masterportal ist eine Kartenanwendung im Browser; die Daten kommen über offene Schnittstellen wie WFS, OGC API Features oder die SensorThings API, in vielen Städten aus einer Urbanen Datenplattform wie CIVITAS/CORE. Über diese Schnittstellen beantwortet eine KI Fragen zu Flurstücken, Bebauungsplänen oder Baustellen, mit den Rechten der Person, die fragt.
Was ist das Masterportal?
Das Masterportal ist eine Open-Source-Software für Geoportale: eine Kartenanwendung im Browser, mit der Verwaltungen ihre Geodaten zeigen, durchsuchen und auswerten lassen. Entstanden ist es in Hamburg beim Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV) für das Geoportal der Stadt. Es steht unter der MIT-Lizenz und lässt sich ohne Programmierung über Konfigurationsdateien einrichten.
Wichtig für jede Anbindung: Das Masterportal hat laut Projektseite keine serverseitigen Abhängigkeiten. Es braucht einen Webserver und Geodienste, sonst nichts. Die Daten liegen also nicht im Masterportal, sondern in den Diensten, die es anzeigt. Das Masterportal kennt dafür viele offene Standards, darunter WMS, WMTS, WFS, OGC API Features, die SensorThings API, Vektorkacheln, GeoJSON und den Katalogdienst CSW.
Weiterentwickelt wird das Masterportal in der Implementierungspartnerschaft (IP) Masterportal. Nach Angaben aus der Partnerschaft (FOSSGIS 2026) steuern mehr als 55 Institutionen der öffentlichen Verwaltung die Entwicklung, darunter Stadtverwaltungen, Bundesbehörden und kommunale Zweckverbände. Das Produktmanagement liegt bei Dataport. Beispiele für Anwender sind Hamburg, Schleswig-Holstein (Beitritt 2023), Stuttgart und München, dessen Geoportal auf dem Masterportal aufbaut.
Was ist mit „Civitas“ gemeint?
Im Zusammenhang mit Geoportalen und Urbanen Datenplattformen meint „Civitas“ in der Regel Civitas Connect e. V. und dessen Software CIVITAS/CORE.
- Civitas Connect e. V. ist ein Verein mit Sitz in Münster, gegründet am 22. Juni 2020. Mitglieder sind laut Verein mehrere Städte und Kreise sowie kommunale Versorgungsunternehmen. Der Verein versteht sich als Kooperationsplattform für Kommunen und kommunale Unternehmen.
- CIVITAS/CORE ist eine Open-Source-Software für Urbane Datenplattformen, die Mitglieder des Vereins gemeinsam entwickeln. Sie steht unter der europäischen Open-Source-Lizenz EUPL 1.2 und auf OpenCoDE, der Plattform für Open-Source-Code der öffentlichen Verwaltung. Große Teile wurden laut Dokumentation aus dem Programm „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundes gefördert.
Wie hängen CIVITAS/CORE und Masterportal zusammen? In Version 1 bringt CIVITAS/CORE das Masterportal als eingebaute Kartenanwendung mit, dazu Dashboards. Die Daten stellt die Plattform über Schnittstellen bereit: Sensordaten über die OGC SensorThings API (FROST-Server), Geodaten über die OGC-Standards eines GeoServers und Kontextdaten über NGSI-LD. Die Anmeldung und die Rechte regelt Keycloak. Version 2.0.0 ist am 8. Oktober 2026 erschienen. Sie ist nicht mehr auf Sensordaten beschränkt, trennt Mandanten und regelt Rechte feiner; GeoServer und FROST-Server gehören weiter dazu.
Kurz: CIVITAS/CORE hält und liefert die Daten, das Masterportal zeigt sie auf der Karte. Für eine KI ist die Datenplattform der richtige Ansprechpartner, nicht die Kartenanwendung.
Nicht zu verwechseln ist Civitas Connect mit der CIVITAS-Initiative der EU für nachhaltige Mobilität in Städten.
Über welche Schnittstellen kommt eine KI an Geodaten?
| Schnittstelle | Was sie liefert | Nutzen für eine KI |
|---|---|---|
| WMS (Web Map Service) | Kartenbilder | Gering: Bilder enthalten keine lesbaren Eigenschaften. Abfrage an einem Punkt (GetFeatureInfo) nur, wenn eingerichtet |
| WFS (Web Feature Service) | Objekte mit Geometrie und Eigenschaften, meist als GML | Hoch: Flurstücke, Planbereiche, Baustellen mit allen Angaben |
| OGC API Features | dieselben Objekte über eine moderne Web-Schnittstelle, meist als GeoJSON | Hoch, und für Software leichter zu lesen als WFS |
| OGC SensorThings API | Messwerte von Sensoren mit Zeit und Ort | Hoch für aktuelle Lagen: Pegel, Luftqualität, Parkplätze, Verkehr |
| CSW (Katalogdienst) | Beschreibungen der Datensätze (Metadaten) | Hilft der KI, den passenden Datensatz zu finden |
Für eine KI zählen vor allem die Schnittstellen, die Objekte mit Eigenschaften liefern. Eine Frage wie „Welche Festsetzungen gelten für das Flurstück 123/4?“ beantwortet sie, indem sie erst das Flurstück abfragt und dann den Bebauungsplan, der es überdeckt. Beide Schnittstellen erlauben räumliche Filter, etwa ein Rechteck um eine Adresse. Bebauungspläne liegen in vielen Kommunen als XPlanung vor, dem verbindlichen Datenstandard für Pläne in Deutschland. Damit sind Festsetzungen wie Art und Maß der baulichen Nutzung als einzelne Angaben lesbar, nicht nur als gescannte Planzeichnung.
Ein Hinweis zur Verfügbarkeit: Viele Geodaten sind offene Daten. Seit Juni 2024 verlangt die EU für bestimmte hochwertige Datensätze, darunter Geodaten, die kostenlose Bereitstellung über Schnittstellen. Fachdaten der Ämter, etwa Baugenehmigungen oder interne Planungen, liegen dagegen meist hinter einer Anmeldung.
Was kann eine KI mit Geodaten für die Kommune tun?
Eine KI rechnet keine Karten, sie beantwortet Fragen in Sprache und verweist auf die Quelle. Mit angebundenen Geodiensten wird daraus zum Beispiel:
- Bauamt: „Welcher Bebauungsplan gilt für die Musterstraße 12, und welche Geschossflächenzahl setzt er fest?“ Die KI nennt Plan, Festsetzung und Fundstelle; die verbindliche Auskunft gibt das Bauamt.
- Tiefbau und Verkehr: „Welche Baustellen sind im Oktober im Stadtteil Nord geplant?“ Die KI liest die Baustellen aus dem Dienst und fasst sie als Liste mit Zeitraum und Ort zusammen.
- Bürgerservice: „Ist die Fläche hinter der Grundschule ein Überschwemmungsgebiet?“ Die KI prüft den Dienst und formuliert einen Antwortentwurf, den eine Person freigibt.
- Umwelt und Klima: „Wie hoch war der Pegel am Messpunkt Brücke gestern Abend?“ Die KI liest den Messwert über die SensorThings API.
- Rat und Ausschüsse: Für eine Vorlage stellt die KI zusammen, welche Fachdaten zu einem Gebiet vorliegen, etwa Denkmalschutz, Altlastenverdacht oder Lärmkartierung.
Viele dieser Fragen lassen sich heute schon im Geoportal beantworten, wenn man weiß, welche Ebene man einschalten muss. Der Gewinn liegt darin, dass Mitarbeitende ohne GIS-Kenntnisse dieselbe Frage in Sprache stellen und die Antwort mit Quelle bekommen.
Was ist bei Datenschutz und Rechten zu beachten?
Geodaten wirken unverfänglich, sind es aber nicht immer. Vier Punkte helfen bei der Planung:
- Eigentümerangaben getrennt halten: Flurstücke und Gebäude sind meist offen, Eigentümerangaben aus dem Liegenschaftskataster nicht. Die Vermessungsgesetze der Länder geben sie nur bei berechtigtem Interesse heraus, das im Einzelfall geprüft wird. Eine KI sollte deshalb Dienste ohne Eigentümerangaben lesen, es sei denn, die Person, die fragt, darf diese Angaben ohnehin sehen.
- Mit den Rechten der Person lesen: Interne Dienste liegen hinter einer Anmeldung, in CIVITAS/CORE etwa über Keycloak. Die KI sollte mit dem Konto der Person zugreifen, die fragt, nicht mit einem Sammelkonto, das alle Fachdaten sehen darf. Sonst sieht über die KI jemand mehr als im Geoportal.
- Personenbezug durch Verknüpfung prüfen: Einzelne Datensätze sind oft unkritisch. Erst die Verknüpfung, etwa Adresse, Baugenehmigung und Bauzeitraum, lässt Rückschlüsse auf Personen zu. Klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten, welche Dienste die KI zusammen lesen darf, und vermerken Sie das im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten.
- Verbindlichkeit klar benennen: Der Bebauungsplan wird als Satzung beschlossen (§ 10 BauGB). Was eine KI aus Geodaten zusammenfasst, ist eine Hilfe für die Arbeit, keine Rechtsauskunft. Antworten an Bürgerinnen und Bürger prüft und gibt das Amt.
Dazu kommt das Protokoll: Jede Abfrage der KI an einen Geodienst sollte im Audit-Log stehen, damit sich später nachvollziehen lässt, wer wann welche Daten abgerufen hat. Audit-Logs und Nachvollziehbarkeit →
Was sollten Sie vor einer Anbindung klären?
- Fragen sammeln: Welche Fragen stellen Bauamt, Tiefbau, Umwelt und Bürgerservice häufig? Daraus ergibt sich, welche Dienste die KI braucht.
- Dienste auflisten: Welche WFS- oder OGC-API-Features-Dienste gibt es, wer betreibt sie (Kommune, Kreis, Land, Rechenzentrum), und welche liegen in einer Urbanen Datenplattform wie CIVITAS/CORE?
- Offene und geschützte Daten trennen: Welche Dienste sind offen, welche brauchen eine Anmeldung, und welche enthalten personenbezogene Daten?
- Anmeldung festlegen: Läuft der Zugriff über die zentrale Benutzerverwaltung, und kann die KI mit dem Konto der Person lesen?
- Nur lesen: Geodaten ändern bleibt beim Fachamt. Schreibende Dienste (WFS-T) sollte eine KI nicht nutzen.
Wie ist das bei basebox?
basebox bindet Systeme über Konnektoren an. Für Fachleute: Die Konnektoren nutzen MCP (Model Context Protocol), den offenen Standard, über den KI-Anwendungen an Daten und Werkzeuge angebunden werden. Jeder Zugriff läuft mit den Rechten der Person, die fragt, ohne gemeinsames Dienstkonto; standardmäßig liest basebox nur, schreibende Zugriffe nur nach Abstimmung. Jeder Aufruf eines Konnektors steht im Audit-Log.
Geoportale unterscheiden sich vor allem in der Schnittstelle, nicht in der Kartenanwendung. Deshalb sind für Geodaten drei Konnektoren angekündigt („In Kürze“):
- OGC-Geodienste: Sachdaten über WFS und OGC API Features, wie sie GeoServer, deegree, QGIS Server und MapServer anbieten, auch der GeoServer in CIVITAS/CORE.
- ArcGIS: Feature Services von Esri. ArcGIS hat eine eigene Schnittstelle; WFS und OGC API Features sind dort nur aktiv, wenn der Betreiber sie einschaltet.
- Geodatenkatalog: Suche in Katalogen über CSW, etwa im Geodatenkatalog.de der GDI-DE. So findet die KI, welche Dienste es zu einem Thema gibt.
Einen eigenen Konnektor für das Masterportal gibt es nicht und braucht es nach dem oben Gesagten auch nicht: Angebunden werden die Dienste, die das Masterportal anzeigt. Für die SensorThings API einer Urbanen Datenplattform bauen wir den Konnektor neu: Die Konzeption ist kostenlos, danach gibt es einen Festpreis. Ein neuer Konnektor mit dokumentierter Schnittstelle kostet einmalig 6.900 €, darf er in unsere Bibliothek, 3.450 € (Listenpreise, netto); danach steht er allen Kunden zur Verfügung. Das gilt ebenso für Fach-GIS mit herstellereigener Schnittstelle. Alle Konnektoren aus unserer Bibliothek sind in der Lizenz enthalten.
Ohne Anbindung arbeiten Sie mit Dokumenten: Bebauungspläne als PDF, Begründungen und Satzungen lassen sich in einer App hinterlegen, die das Bauamt nutzt. Alle Konnektoren mit Status stehen auf Konnektoren.
Keine Rechtsberatung: Ob und wie eine KI personenbezogene Geodaten verarbeiten darf, hängt vom Landesrecht und vom einzelnen Datensatz ab; klären Sie das mit Ihrem Datenschutzbeauftragten. Die Angaben zu Masterportal und CIVITAS/CORE geben den Stand unserer Recherche am 15. Oktober 2026 wieder und stützen sich auf die Angaben der Projekte.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Masterportal und CIVITAS/CORE?
Das Masterportal ist eine Kartenanwendung: Es zeigt Geodaten im Browser an und speichert selbst keine Daten. CIVITAS/CORE ist eine Urbane Datenplattform: Sie sammelt, verwaltet und veröffentlicht Daten der Stadt, etwa Geodaten über einen GeoServer und Sensordaten über einen FROST-Server. In Version 1 von CIVITAS/CORE gehört das Masterportal als Kartenanwendung dazu.
Reicht ein WMS-Dienst, damit eine KI Fragen zu Geodaten beantworten kann?
Meist nicht. Ein WMS liefert Kartenbilder, also Pixel. Für Antworten braucht eine KI Objekte mit Eigenschaften, etwa Flurstücksnummer, Festsetzung oder Bauzeitraum. Die liefern WFS und OGC API Features. Ein WMS kann über die Abfrage an einem Punkt (GetFeatureInfo) Eigenschaften zurückgeben, wenn der Betreiber das eingerichtet hat.
Darf eine KI Eigentümerangaben aus dem Liegenschaftskataster lesen?
Eigentümerangaben sind personenbezogen. Die Vermessungsgesetze der Länder geben sie nur bei berechtigtem Interesse heraus, das im Einzelfall geprüft wird. Eine KI sollte daher nur auf Geodaten ohne Eigentümerangaben zugreifen, es sei denn, die Person, die fragt, darf diese Daten im Fachverfahren ohnehin sehen und der Zugriff ist mit dem Datenschutzbeauftragten abgestimmt.
Ersetzt die Antwort der KI eine planungsrechtliche Auskunft?
Nein. Verbindlich ist der beschlossene Bebauungsplan als Satzung. Eine KI kann Festsetzungen finden, zusammenfassen und die Fundstelle nennen; die Auskunft gegenüber Bürgern und Bauherren gibt weiterhin das Bauamt.
Quellen
- Masterportal: Projektseite (masterportal.org), abgerufen 15.10.2026 ↗
- OSGeo: Masterportal, unterstützte Standards und Schnittstellen, abgerufen 15.10.2026 ↗
- Masterportal-Dokumentation: SensorThings API, abgerufen 15.10.2026 ↗
- Interoperable Europe: Masterportal im EU-Katalog für Open-Source-Lösungen, abgerufen 15.10.2026 ↗
- FOSSGIS 2026: Erfahrungen aus der Implementierungspartnerschaft Masterportal, abgerufen 15.10.2026 ↗
- GDI-SH: Beschluss zum Beitritt Schleswig-Holsteins zur IP Masterportal (2023), abgerufen 15.10.2026 ↗
- Landeshauptstadt München: Geoportal auf Basis des Masterportals (GitHub), abgerufen 15.10.2026 ↗
- Civitas Connect e. V.: Website des Vereins, abgerufen 15.10.2026 ↗
- CIVITAS/CORE Version 1: README mit Schnittstellen und Komponenten (OpenCoDE), abgerufen 15.10.2026 ↗
- CIVITAS/CORE Version 2: Plattform und Release 2.0.0 vom 8.10.2026 (OpenCoDE), abgerufen 15.10.2026 ↗
- CIVITAS/CORE-Dokumentation: FROST-Server, abgerufen 15.10.2026 ↗
- OGC API – Features (Open Geospatial Consortium), abgerufen 15.10.2026 ↗
- OGC SensorThings API (Open Geospatial Consortium), abgerufen 15.10.2026 ↗
- Esri: OGC-Unterstützung in ArcGIS Server, abgerufen 15.10.2026 ↗
- Esri: ArcGIS REST API, Abfrage eines Feature-Layers, abgerufen 15.10.2026 ↗
- XLeitstelle: XPlanung, abgerufen 15.10.2026 ↗
- Service Berlin: Auskunft aus dem Liegenschaftskataster, Eigentumsangaben nur bei berechtigtem Interesse, abgerufen 15.10.2026 ↗
- BauGB § 10: Beschluss des Bebauungsplans als Satzung (gesetze-im-internet.de) ↗
- Durchführungsverordnung (EU) 2023/138: hochwertige Datensätze, Art. 3 (EUR-Lex, abgerufen 15.10.2026) ↗
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, auf Grundlage der genannten Quellen. Verantwortlich für den Inhalt: basebox GmbH. Keine Rechtsberatung, keine Haftung. Stand der Recherche: 15. Oktober 2026.