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AnwendungsfälleStand René HerzerMit KI erstellt

Kann KI das Dekubitus- und Sturzrisiko einschätzen?

KI kann Hinweise auf ein Dekubitus- oder Sturzrisiko geben, etwa indem sie in Pflegeberichten nach Veränderungen bei Mobilität, Ernährung oder Medikation sucht. Die Einschätzung selbst bleibt Aufgabe der Pflegefachperson: Die DNQP-Expertenstandards verlangen ein Screening zu Beginn und bei Verdacht eine vertiefte, pflegefachliche Einschätzung. Vorhersagemodelle aus der Forschung sind oft nicht extern geprüft. Ein System, das Risiken eigenständig berechnet, kann zudem ein Medizinprodukt sein.

Was verlangen die Expertenstandards bei der Risikoeinschätzung?

Beide Expertenstandards des DNQP folgen demselben Muster: zuerst ein Screening, dann bei Verdacht eine genauere Einschätzung, beides durch die Pflegefachkraft und beides regelmäßig wiederholt.

Dekubitusprophylaxe (2. Aktualisierung 2017) Sturzprophylaxe (2. Aktualisierung 2022)
Wann unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrags unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrags
Erster Schritt initiales Screening Screening des Sturzrisikos
Bei Verdacht differenzierte Beurteilung des Dekubitusrisikos vertiefte Einschätzung der personen-, medikamenten- und umgebungsbezogenen Risikofaktoren
Wiederholung in individuell festzulegenden Abständen und unverzüglich bei Veränderungen der Mobilität oder äußerer Einflüsse bei Veränderungen der Pflegesituation, nach einem Sturz und in individuell festzulegenden Abständen
Ergebnis aktuelle, systematische Einschätzung des individuellen Risikos aktuelle, systematische Erfassung des individuellen Risikos

Die Standards beschreiben damit einen fachlichen Prozess, nicht eine Zahl. Assessmentinstrumente und Skalen können die Einschätzung stützen, sie ersetzen sie nicht. Im Strukturmodell hält die Pflegefachperson das Ergebnis in der Risikomatrix der SIS fest. KI in der Pflegedokumentation und SIS →

Was können KI-Vorhersagemodelle heute?

In der Forschung gibt es zahlreiche Modelle, die aus Pflege- und Klinikdaten ein Dekubitusrisiko vorhersagen, die meisten für Krankenhauspatienten. Ein systematischer Review von 2023 fand 27 Studien zu solchen Modellen mit maschinellem Lernen bei Erwachsenen im Krankenhaus. Ein Umbrella Review von 2025 kommt zu einem ernüchternden Befund: Ein großer Teil der Instrumente wurde nicht extern geprüft, also nicht an Daten anderer Häuser, und das Risiko für Verzerrungen ist oft hoch oder unklar.

Für die Praxis heißt das:

  • Ein Modell aus der Studie passt nicht automatisch zu Ihrem Haus. Andere Bewohnerinnen und Bewohner, andere Dokumentation, andere Ergebnisse.
  • Gute Kennzahlen in der Studie sind kein Beleg für weniger Dekubitus oder Stürze. Dafür bräuchte es Studien, die den Einsatz im Alltag prüfen.
  • Fragen Sie Anbieter nach externer Prüfung, nach der Bevölkerung, an der das Modell gelernt hat, und nach der CE-Kennzeichnung.

Für Stürze gilt Ähnliches. Sensoren, die Stürze melden, sind etwas anderes als Modelle, die ein Risiko vorhersagen; auch sie verhindern Stürze nicht von selbst. KI-Sensorik: Sturzerkennung ohne Kamera →

Wo hilft KI bei der Einschätzung, ohne sie zu übernehmen?

Aufgabe Was KI tun kann
Hinweise finden In Pflegeberichten nach Veränderungen suchen, die eine neue Einschätzung nahelegen, etwa weniger Bewegung, Gewichtsverlust, neue Medikamente, Beinahestürze
An Wiederholung erinnern Darauf hinweisen, wann eine Einschätzung nach der Verfahrensregel fällig ist
Nachschlagen Fragen zu Risikofaktoren und Maßnahmen aus dem Expertenstandard und der Verfahrensregel beantworten, mit Quelle
Dokumentieren Die Einschätzung der Fachperson in einen Eintrag für die SIS oder das Berichteblatt bringen
Beraten Informationstexte zum Risiko und zu Maßnahmen für die Person und ihre Angehörigen formulieren
Auswerten Sturzprotokolle zusammenfassen und Muster für die Sturzanalyse aufzeigen

Der Unterschied ist wichtig: KI liefert Hinweise und Entwürfe, die Pflegefachperson entscheidet. Die Erhebung des Pflegebedarfs und die Steuerung des Pflegeprozesses sind ihr vorbehalten (§ 4 PflBG).

Wann wird KI zum Medizinprodukt?

Software ist ein Medizinprodukt, wenn der Hersteller sie dazu bestimmt, Krankheiten oder Verletzungen zu erkennen, vorherzusagen, zu überwachen oder ihnen vorzubeugen (Art. 2 Nr. 1 MDR). Ein Programm, das ein Dekubitusrisiko berechnet und daraus eine Einstufung ableitet, kann darunter fallen. Dann braucht es eine CE-Kennzeichnung; ab Klasse IIa kann es zusätzlich ein Hochrisiko-System nach Art. 6 der KI-Verordnung sein. Ein allgemeines Sprachmodell, das Texte zusammenfasst und Fragen zu einem Standard beantwortet, ist in der Regel kein Medizinprodukt, solange es nicht für solche Zwecke bestimmt ist. Ist KI ein Medizinprodukt? →

Was gilt für Haftung und Qualitätsprüfung?

Wer eine Einschätzung speichert, verantwortet sie, auch wenn eine KI einen Hinweis gab oder keinen. Wer haftet bei Fehlern in der KI-Pflegedokumentation? →

Dekubitusentstehung und schwerwiegende Sturzfolgen gehören zu den zehn Qualitätsindikatoren, die vollstationäre Einrichtungen halbjährlich erheben. Der Medizinische Dienst prüft bei einer Stichprobe, ob die Daten plausibel sind. KI und MD-Prüfung →

Wie geht das mit basebox?

basebox ist eine KI-Plattform für Texte, Auskunft und Abläufe, kein Medizinprodukt, und berechnet keine Risikowerte. Nach kurzer Einrichtung beantwortet basebox Fragen zu den Expertenstandards und Verfahrensregeln, die Sie hinterlegen, mit Quelle. Pflegeberichte aus Stichpunkten entwirft basebox ohne weitere Einrichtung. Bewohnerdokumentation strukturieren und zusammenfassen läuft erst nach Anbindung Ihrer Pflegedokumentation; den Zugang stellt der Hersteller bereit. Erinnerungen an fällige Einträge sind ein individuelles Projekt. Die Entscheidung trifft immer die Pflegefachperson. Anwendungsfälle →

Häufige Fragen

Ersetzt eine KI die Braden- oder Norton-Skala?

Nein. Auch Skalen sind nur ein Hilfsmittel für die pflegefachliche Einschätzung, die die Expertenstandards verlangen. Ein KI-Modell wäre ein weiteres Hilfsmittel, und für die meisten Modelle fehlt bisher der Nachweis, dass sie in anderen Häusern so gut funktionieren wie in der Studie.

Ist eine KI zur Risikoeinschätzung ein Medizinprodukt?

Wenn der Hersteller sie dafür bestimmt, das Risiko einer Erkrankung oder Verletzung vorherzusagen oder zu überwachen, in der Regel ja (Art. 2 Nr. 1 MDR). Dann braucht sie eine CE-Kennzeichnung, und als Medizinprodukt ab Klasse IIa kann sie auch ein Hochrisiko-System nach der KI-Verordnung sein.

Darf ein allgemeines Sprachmodell ein Risiko einstufen?

Als Hinweis für die Fachperson, ob in den Berichten etwas auf ein Risiko deutet, ist das eine Hilfe. Eine Einstufung, auf die sich Maßnahmen stützen, sollte es nicht sein: Sprachmodelle sind dafür nicht geprüft, und die Einschätzung ist Pflegefachpersonen vorbehalten (§ 4 PflBG).

Welche Rolle spielen Dekubitus und Stürze in der Qualitätsprüfung?

Dekubitusentstehung und schwerwiegende Sturzfolgen gehören zu den zehn Qualitätsindikatoren, die vollstationäre Einrichtungen halbjährlich erheben. Der Medizinische Dienst prüft die Plausibilität dieser Daten bei einer Stichprobe.

Quellen

  1. DNQP: Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung 2017, Auszug ↗
  2. DNQP: Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung 2022, Auszug ↗
  3. Umbrella Review zu Instrumenten der Dekubitus-Risikovorhersage, Diagnostic and Prognostic Research (Januar 2025) ↗
  4. Barghouthi u. a.: Systematic Review for Risks of Pressure Injury and Prediction Models Using Machine Learning Algorithms, Diagnostics 2023 ↗
  5. § 4 Pflegeberufegesetz: Vorbehaltene Tätigkeiten ↗
  6. Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR), EUR-Lex ↗
  7. Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 6, EUR-Lex ↗
  8. Bundesgesundheitsministerium: Qualität und Transparenz in der Pflege (Qualitätsindikatoren) ↗
  9. Medizinischer Dienst Bund: Qualitätsprüfungen in der stationären Pflege ↗

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, auf Grundlage der genannten Quellen. Verantwortlich für den Inhalt: basebox GmbH. Keine Rechtsberatung, keine Haftung. Stand der Recherche: 11. Oktober 2026.

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