KI-Sensorik: Wie funktioniert Sturzerkennung ohne Kamera?
Sturzerkennung ohne Kamera arbeitet mit Radar-, 3D-, Infrarot- oder Drucksensoren. Eine KI wertet Bewegungsmuster aus und meldet Stürze, Aufstehen oder längere Abwesenheit an die Pflege, ohne Bilder zu speichern. Das schont die Privatsphäre. Fehlalarme, Alarmmüdigkeit und die Frage, was auf einen Alarm folgt, bleiben aber zu klären. Studien zeigen, dass Alarme allein Stürze nicht verhindern; sie wirken nur als Teil eines Konzepts zur Sturzprophylaxe.
Welche Sensoren erkennen Stürze ohne Kamera?
| Technik | Wie sie arbeitet | Typischer Ort |
|---|---|---|
| Radar | Funkwellen erfassen Bewegung und Lage im Raum | Decke oder Wand im Zimmer |
| 3D- oder Tiefensensor | Erfasst Abstände und Körperumrisse, speichert kein Farbbild | Wand oder Decke |
| Infrarot | Erkennt Wärme und Bewegung | Zimmer, Bad |
| Druck- und Kontaktmatten | Melden Belastung oder Entlastung | Vor dem Bett, im Bett, auf dem Stuhl |
| Am Körper getragene Sensoren | Beschleunigung und Lage, oft mit Notruf | Armband, Anhänger |
Bei Radar-, 3D- und Infrarotsystemen wertet eine KI die Signale aus und unterscheidet etwa Liegen am Boden, Aufstehen, Verlassen des Betts oder längere Abwesenheit. Am Markt finden sich etwa QUMEA mit radargestütztem Mobilitätsmonitoring und cogvis mit einem 3D-Sensor, der nach Herstellerangaben ohne Kamerabild arbeitet und über die Rufanlage alarmiert. basebox und cogvis im Vergleich →
Warum ohne Kamera?
Eine Kamera im Zimmer greift tief in die Privatsphäre ein, gerade im Bad oder bei der Körperpflege. Systeme ohne Bild erfassen nur, was für den Alarm nötig ist. Das erleichtert die Zustimmung von Bewohnerinnen, Bewohnern und Angehörigen und den Datenschutz. Eine Studie des Fraunhofer IPA zur optischen Sensorik in Pflegeheimen hat die Sicht der Bewohnenden untersucht und verweist zugleich auf hohe Fehlalarmraten und die Belastung des Personals durch Alarme.
Verhindert ein Alarm Stürze?
Nicht von selbst. Ein Alarm meldet einen Sturz oder ein Aufstehen. Ob ein Sturz vermieden wird, hängt davon ab, wie schnell jemand kommt und was sonst getan wird. In einer randomisierten Studie in 16 Krankenhausstationen (Shorr u. a., 2012) stieg mit Schulung und Unterstützung die Nutzung von Bettalarmen stark an, die Zahl der Stürze und sturzbedingten Verletzungen sank aber nicht. Die Autoren raten, Alarme nur als Teil eines Programms zur Sturzprophylaxe einzusetzen.
Der Wert der Sensorik liegt deshalb vor allem in zwei Punkten:
- Schnelle Hilfe nach einem Sturz: Wer nachts unbemerkt am Boden liegt, trägt ein höheres Risiko für Folgeschäden.
- Wissen über Muster: Wann stehen Bewohnerinnen und Bewohner auf, wie oft, wohin? Das hilft bei der Planung, etwa für Toilettengänge oder Beleuchtung.
Was sagt der Expertenstandard Sturzprophylaxe?
Der Expertenstandard des DNQP (2. Aktualisierung 2022) verlangt ein Screening des Sturzrisikos zu Beginn des pflegerischen Auftrags und, wenn ein Risiko nicht auszuschließen ist, eine vertiefte Einschätzung der personen-, medikamenten- und umgebungsbezogenen Risikofaktoren. Die Einrichtung soll geeignete räumliche und technische Voraussetzungen und Hilfsmittel für eine sichere Mobilität bereitstellen, und jeder Sturz wird dokumentiert und analysiert.
Wichtig ist die Präambel: Das Ziel ist ausdrücklich nicht durch eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit zu erreichen. Die Expertenarbeitsgruppe spricht sich gegen jede Form freiheitsentziehender Maßnahmen zur Sturzprophylaxe aus. Sensoren sind dann sinnvoll, wenn sie Bewegung ermöglichen, etwa statt eines Bettgitters, und nicht, um Menschen im Bett zu halten. KI und DNQP-Expertenstandards →
Wann wird Sensorik rechtlich heikel?
- Freiheitsentziehung: Meldet ein Sensor nur, ist er in der Regel unproblematisch. Wird die Person nach dem Alarm regelmäßig gegen ihren Willen zurückgebracht, kann eine genehmigungspflichtige Maßnahme vorliegen. Freiheitsentziehende Maßnahmen durch KI-Sensorik? →
- Einwilligung: Für die Versorgung genügt oft die gesetzliche Grundlage; bei weitergehender Auswertung kann eine Einwilligung nötig sein. Bei Menschen mit Demenz entscheidet, wer vertretungsberechtigt ist. Einwilligung bei Demenz →
- Datenschutz: Bewegungsdaten sind Gesundheitsdaten (Art. 9 DSGVO). Für ein neues System ist meist eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig (Art. 35 DSGVO), und die Betroffenen sind zu informieren (Art. 13 DSGVO).
- Medizinprodukt: Je nach Zweckbestimmung des Herstellers kann ein Sturzsensor ein Medizinprodukt sein. Ist KI ein Medizinprodukt? →
- Mitbestimmung: Sensoren zeigen auch, wann Personal kommt. Klären Sie mit Betriebsrat oder Mitarbeitervertretung, dass die Daten nicht zur Leistungskontrolle dienen.
Worauf sollten Sie beim Probebetrieb achten?
- Ziel festlegen: schnelle Hilfe, weniger Bettgitter, weniger nächtliche Kontrollgänge.
- Ablauf nach dem Alarm beschreiben: wer kommt, in welcher Zeit, was dokumentiert wird.
- Zählen: Alarme, berechtigte Alarme, Stürze, Sturzfolgen, vor und während des Probebetriebs. Für stationäre Einrichtungen sind schwerwiegende Sturzfolgen einer der Qualitätsindikatoren, die halbjährlich erhoben werden.
- Personal fragen: Entlastet das System oder bringt es zusätzliche Wege?
- Bewohnerinnen und Bewohner fragen: Wird das System akzeptiert?
Wie passt basebox dazu?
basebox ist eine KI-Plattform für Texte, Auskunft und Abläufe, keine Sensorik. Sensoren und eine KI-Plattform lösen verschiedene Aufgaben. Mit basebox können Sie Ihre Verfahrensregel zur Sturzprophylaxe und Ihre Hausstandards hinterlegen und Fragen dazu beantworten lassen, mit Quelle. Pflegeberichte aus Stichpunkten, etwa nach einem Sturz, entwirft basebox ohne weitere Einrichtung. Die Einschätzung trifft immer die Pflegefachperson; basebox ist kein Medizinprodukt. Anwendungsfälle →
Häufige Fragen
Ist ein Radarsensor im Zimmer eine Überwachung?
Er erfasst Bewegungen, keine Bilder, und erkennt die Person nicht. Die Daten sagen trotzdem etwas über ihre Gesundheit aus und sind deshalb Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO. Informieren Sie Bewohnerinnen, Bewohner und ihre Vertretung, was erfasst wird und wer es sieht.
Braucht ein Sturzsensor eine Genehmigung des Betreuungsgerichts?
Nicht, wenn er nur meldet und Personal Hilfe bringt. Wird der Alarm genutzt, um eine Person regelmäßig gegen ihren Willen am Aufstehen oder Weggehen zu hindern, kann eine freiheitsentziehende Maßnahme vorliegen, die das Gericht genehmigen muss (§ 1831 Abs. 4 BGB).
Ist ein Sturzsensor ein Medizinprodukt?
Das hängt von der Zweckbestimmung des Herstellers ab. Dient das System nach seinen Angaben der Überwachung oder Vorbeugung einer Krankheit oder Verletzung, kann es ein Medizinprodukt sein (Art. 2 Nr. 1 MDR). Fragen Sie den Hersteller nach CE-Kennzeichnung und Klasse.
Wie viele Fehlalarme sind normal?
Dafür gibt es keinen festen Wert. Zählen Sie im Probebetrieb, wie viele Alarme berechtigt waren, und vergleichen Sie mit der Zeit davor. Hohe Fehlalarmraten belasten das Personal und führen dazu, dass Alarme weniger ernst genommen werden.
Quellen
- DNQP: Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung 2022, Auszug ↗
- Shorr u. a.: Effects of an Intervention to Increase Bed Alarm Use to Prevent Falls in Hospitalized Patients, Annals of Internal Medicine 2012 ↗
- Fraunhofer IPA: Ethische Exploration der Perspektiven von Pflegeheimbewohnenden auf optische Sensorik zur Sturzprävention ↗
- QUMEA: radargestütztes Mobilitätsmonitoring (abgerufen 11.10.2026) ↗
- cogvis: Produkt (abgerufen 11.10.2026) ↗
- Bundesgesundheitsministerium: Qualität und Transparenz in der Pflege (Qualitätsindikatoren) ↗
- § 1831 BGB: Freiheitsentziehende Maßnahmen ↗
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR), EUR-Lex ↗
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 9, 13 und 35, EUR-Lex ↗
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, auf Grundlage der genannten Quellen. Verantwortlich für den Inhalt: basebox GmbH. Keine Rechtsberatung, keine Haftung. Stand der Recherche: 11. Oktober 2026.