KI in der Pflegedokumentation: Was geht bei der SIS?
KI kann die Pflegedokumentation nach dem Strukturmodell entlasten: Sie ordnet Gesprächsnotizen den Themenfeldern der SIS zu, schlägt Formulierungen vor, entwirft Einträge für das Berichteblatt und weist auf Lücken hin. Die SIS selbst entsteht aber im Gespräch zwischen pflegebedürftiger Person und Pflegefachperson. Erhebung, Planung und Bewertung sind nach § 4 PflBG Pflegefachpersonen vorbehalten. KI liefert also Entwürfe, die eine Fachperson prüft, ergänzt und verantwortet.
Was ist das Strukturmodell mit der SIS?
Das Strukturmodell ist ein Verfahren für eine schlankere Pflegedokumentation. Es entstand ab 2014 im Projekt EinSTEP und wird heute in der stationären, teilstationären und ambulanten Pflege genutzt. Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent der Langzeitpflegeeinrichtungen damit arbeiten. Es hat vier Elemente:
| Element | Inhalt | Wer führt es |
|---|---|---|
| Strukturierte Informationssammlung (SIS) | Sicht der pflegebedürftigen Person, Einschätzung zu den Themenfeldern, Risikomatrix | Pflegefachperson im Gespräch mit der Person |
| Maßnahmenplan | Was wann wie getan wird, auf Grundlage der SIS | Pflegefachperson |
| Berichteblatt | Vor allem Abweichungen vom Maßnahmenplan und Besonderheiten | alle an der Pflege Beteiligten |
| Evaluation | Überprüfung zu festgelegten Zeitpunkten oder bei Veränderung | Pflegefachperson |
Die SIS beginnt mit der Frage, was die Person selbst als wichtig ansieht. Danach folgen Themenfelder wie kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Mobilität und Beweglichkeit, krankheitsbezogene Anforderungen, Selbstversorgung und Leben in sozialen Beziehungen, je nach Versorgungsform ergänzt um ein weiteres Feld. In einer Risikomatrix hält die Fachperson pflegerelevante Risiken fest, etwa zu Dekubitus und Sturz.
Wo kann KI im Strukturmodell helfen?
| Schritt | Was KI tun kann | Was bei der Fachperson bleibt |
|---|---|---|
| Aufnahmegespräch | Notizen oder ein Diktat in Text bringen und den Themenfeldern zuordnen | Gespräch führen, einschätzen, entscheiden |
| SIS | Formulierungsvorschläge, Hinweis auf leere Themenfelder | Inhalt, Risikoeinschätzung, Freigabe |
| Maßnahmenplan | Entwurf aus der freigegebenen SIS und Hausstandards | Planung und Abstimmung mit der Person |
| Berichteblatt | Pflegebericht aus Stichpunkten oder gesprochenen Notizen | Prüfen und Speichern |
| Evaluation | Zusammenfassung der Einträge seit der letzten Evaluation | Bewertung und Anpassung |
Der Gewinn liegt in der Schreibarbeit: weniger Tippen, einheitlichere Sprache, weniger vergessene Felder. Die fachliche Arbeit bleibt bei der Pflegefachperson. Das Pflegeberufegesetz behält ihr die Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, die Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses sowie die Analyse und Sicherung der Pflegequalität vor (§ 4 Abs. 2 PflBG).
Was sollte KI in der SIS nicht tun?
- Nichts hinzuerfinden: Ein Entwurf darf nur enthalten, was gesagt oder beobachtet wurde. Sprachmodelle ergänzen sonst gern plausible, aber falsche Angaben.
- Die Sicht der Person nicht umschreiben: Im ersten Feld der SIS steht, was die Person selbst sagt. Fachsprache oder Glättung verfälschen das.
- Risiken nicht selbst einstufen: Ob ein Dekubitus- oder Sturzrisiko vorliegt, entscheidet die Fachperson. KI kann auf Hinweise in den Notizen aufmerksam machen.
- Nicht aufblähen: Das Strukturmodell will weniger Dokumentation. Ein KI-Bericht über eine unauffällige Schicht braucht keine zehn Zeilen.
Wie prüft der Medizinische Dienst die Dokumentation?
Seit der Reform der Qualitätsprüfungen in der vollstationären Pflege (2019) stehen das Ergebnis der Versorgung und das Fachgespräch mit den Pflegekräften im Vordergrund. Der Medizinische Dienst schreibt dazu, dass die Bedeutung der Pflegedokumentation abnimmt und die des Fachgesprächs zunimmt. Reine Dokumentationsauffälligkeiten ohne Risiko oder negative Folge für die Person fließen nicht in die Qualitätsdarstellung ein. Das Prüfinstrument greift das Strukturmodell auf; wer es umsetzt, hat keinen zusätzlichen Dokumentationsaufwand.
Für KI heißt das: Eine gut formulierte Dokumentation ersetzt nicht, dass die Pflegekraft im Fachgespräch erklären kann, was sie tut und warum. Die individuelle Maßnahmenplanung muss aber schriftlich vorliegen. Einsicht in die Pflegedokumentation nimmt der Prüfdienst nur mit Einwilligung der betroffenen Person (§ 114a Abs. 3 SGB XI). KI und MD-Prüfung →
Was gilt für Datenschutz und Verantwortung?
- Gesundheitsdaten: Pflegedaten sind besondere Kategorien nach Art. 9 DSGVO. Mit dem Anbieter der KI braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO), für ein neues System meist eine Datenschutz-Folgenabschätzung (Art. 35 DSGVO).
- Verantwortung: Wer einen Entwurf speichert, verantwortet ihn. Wer haftet bei Fehlern in der KI-Pflegedokumentation? →
- Elektronische Form: Die Maßstäbe und Grundsätze nach § 113 SGB XI sind so zu gestalten, dass die Pflegedokumentation in der Regel vollständig elektronisch geführt werden kann.
- Mitbestimmung: Erfasst ein System, wer wann was dokumentiert, sind Betriebsrat, Personalrat oder Mitarbeitervertretung zu beteiligen. Muster-Vereinbarung und Ablauf →
Wie geht das mit basebox?
basebox ist eine KI-Plattform für Texte, Auskunft und Abläufe, keine Pflegesoftware. Pflegeberichte aus Stichpunkten zu entwerfen läuft ohne weitere Einrichtung, ebenso Angehörigenkorrespondenz. Gesprochenes wandelt die Spracherkennung in Text. Bewohnerdokumentation strukturieren und zusammenfassen läuft erst nach Anbindung Ihrer Pflegedokumentation; den Zugang stellt der Hersteller Ihrer Pflegesoftware bereit. Die Entscheidung trifft immer die Pflegefachperson; basebox ist kein Medizinprodukt. Anwendungsfälle →
Pflegeheimen bietet basebox die Cloud an, ab 5 Personen, mit Rechenzentrum in Deutschland und ohne Training mit Ihren Daten. AVV und Vereinbarung nach § 203 StGB stehen zum Herunterladen bereit. Ob § 393 SGB V für Ihren Dienst gilt, hängt von der Art der Leistungen ab. Gilt § 393 SGB V für Pflegeeinrichtungen? →
Häufige Fragen
Darf eine KI die SIS selbstständig ausfüllen?
Nein. Die SIS ist das Ergebnis eines Gesprächs mit der pflegebedürftigen Person, und die Erhebung des Pflegebedarfs ist Pflegefachpersonen vorbehalten (§ 4 PflBG). KI kann Notizen aus dem Gespräch ordnen und einen Entwurf vorbereiten, den die Fachperson prüft und verantwortet.
Macht KI die Dokumentation länger?
Das sollte sie nicht. Das Strukturmodell verzichtet bewusst auf Einzelleistungsnachweise für wiederkehrende Grundpflege, und das Berichteblatt hält vor allem Abweichungen vom Maßnahmenplan fest. Legen Sie fest, dass KI-Entwürfe knapp bleiben und nur festhalten, was gesagt oder beobachtet wurde.
Muss ein Eintrag als KI-Entwurf gekennzeichnet werden?
Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es im Oktober 2026 nicht. Wichtig ist, dass erkennbar bleibt, wer einen Eintrag gespeichert hat und verantwortet. Viele Einrichtungen regeln in einer Verfahrensanweisung, dass KI-Entwürfe vor dem Speichern gelesen werden.
Braucht die Pflegesoftware eine Anbindung an die KI?
Für Pflegeberichte aus Stichpunkten nicht: Die Fachperson spricht oder schreibt Notizen und übernimmt den Entwurf. Soll die KI vorhandene Einträge auswerten, etwa für eine Übergabe, braucht sie Zugang zur Pflegedokumentation. Den stellt der Hersteller der Pflegesoftware bereit.
Quellen
- Bundesgesundheitsministerium: Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (Strukturmodell, SIS) ↗
- EinSTEP: Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation ↗
- § 4 Pflegeberufegesetz: Vorbehaltene Tätigkeiten ↗
- § 113 SGB XI: Maßstäbe und Grundsätze, Pflegedokumentation ↗
- § 114a SGB XI: Durchführung der Qualitätsprüfungen ↗
- Medizinischer Dienst: Die neuen Qualitätsprüfungen in der vollstationären Pflege, Fachinformation (2019) ↗
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), EUR-Lex ↗
- § 393 SGB V: Cloud-Einsatz im Gesundheitswesen ↗
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, auf Grundlage der genannten Quellen. Verantwortlich für den Inhalt: basebox GmbH. Keine Rechtsberatung, keine Haftung. Stand der Recherche: 11. Oktober 2026.