Was ist ein Datenintegrationszentrum (DIZ), und was hat eine KI-Plattform damit zu tun?
Ein Datenintegrationszentrum (DIZ) führt an einer Universitätsklinik Routinedaten aus KIS, Labor und weiteren Systemen zusammen, vereinheitlicht sie nach dem Kerndatensatz der Medizininformatik-Initiative im Format FHIR und stellt sie pseudonymisiert für genehmigte Forschungsprojekte bereit. Über die Herausgabe entscheiden Gremien des Hauses. Eine KI-Plattform bekommt dadurch keinen Zugriff auf diese Daten: Versorgung und Forschung sind getrennte Wege mit getrennten Ansprechpartnern.
Was macht ein Datenintegrationszentrum?
Seit 2018 bauen die Universitätskliniken in Deutschland im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MII) Datenintegrationszentren auf, gefördert vom Bundesforschungsministerium. Ein DIZ hat eine Aufgabe: Daten aus der Behandlung für die Forschung nutzbar machen, ohne die Behandlung zu stören.
- Zusammenführen: Routinedaten aus KIS, Labor, Radiologie und weiteren Systemen fließen in eine eigene Umgebung des DIZ.
- Vereinheitlichen: Die Daten werden nach dem Kerndatensatz der MII aufbereitet, technisch beschrieben in FHIR. So lässt sich dieselbe Abfrage an allen Standorten stellen.
- Schützen: Eine Treuhandstelle trennt Namen und Behandlungsdaten. Forschende erhalten Daten pseudonymisiert.
- Einwilligung verwalten: Grundlage ist meist die breite Einwilligung der Patientinnen und Patienten (Broad Consent), deren Mustertext die Datenschutzkonferenz im April 2020 als nutzbar bestätigt hat.
Seit dem 1. Januar 2023 werden die DIZ nicht mehr aus der MII, sondern über das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) gefördert. Was sich ab 2027 ändert, steht im Artikel MII, NUM, FDPG: Was sich ab 2027 ändert.
Wer entscheidet, wer Daten aus dem DIZ bekommt?
Nicht die IT und nicht die Person, die eine Abfrage stellt. Der Weg ist geregelt:
- Forschende stellen über das Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG) eine Machbarkeitsanfrage und danach einen Antrag.
- Eine Ethikkommission muss das Projekt befürworten.
- Die Use-and-Access-Committees der beteiligten Kliniken genehmigen den Antrag.
- Die Daten bleiben in den Kliniken, werden im DIZ aufbereitet und pseudonymisiert bereitgestellt.
Für Forschung mit den eigenen Versorgungsdaten eines Hauses gilt zusätzlich § 6 des Gesundheitsdatennutzungsgesetzes (GDNG). Auch dort entscheidet das Haus, nicht ein Werkzeug.
Bekommt eine KI-Plattform Zugriff auf das DIZ?
Nein, nicht automatisch. Eine KI-Plattform führt das Haus für die Arbeit im Alltag ein: Briefe, Dokumente, Leitlinien, E-Mails. Das DIZ dient der Forschung. Beide Welten haben verschiedene Zwecke, Rechtsgrundlagen und Ansprechpartner.
| Versorgung (Alltag im Haus) | Forschung (DIZ) | |
|---|---|---|
| Zweck | Behandlung, Dokumentation, Verwaltung | genehmigte Forschungsprojekte |
| Daten | laufende Akte, Dokumente, Postfächer | aufbereitete, pseudonymisierte Bestände |
| Rechtsgrundlage | Behandlungsvertrag, Landeskrankenhausrecht, DSGVO | Einwilligung, § 6 GDNG, Landesrecht |
| Ansprechpartner | IT, Datenschutz, Fachabteilung | DIZ-Leitung, Use-and-Access-Committee, Ethikkommission |
| Wer gibt frei | Rechteverwaltung des Hauses | Gremien je Projekt |
Wer eine KI-Plattform einführt, bekommt damit also keinen Weg ins DIZ. Soll eine Forschungsgruppe Daten aus dem DIZ mit KI auswerten, beantragt sie diese Daten wie für jedes andere Werkzeug, und das Haus gibt einen Bestand für genau dieses Projekt frei.
Was sollten Sie vor dem Start klären?
- Welcher Weg? Geht es um Versorgung, Forschung oder beides? Für die Forschung das DIZ früh einbeziehen.
- Welcher Bestand? Welche Daten gibt das Haus für welches Projekt frei, und in welcher Form (pseudonymisiert, aggregiert)?
- Welche Rechtsgrundlage? Einwilligung, § 6 GDNG oder Landesrecht; mit dem Datenschutz abstimmen.
- Welche Rechte? Forschungsgruppen und Stationen brauchen getrennte Gruppen und Wissensbereiche, und jeder Zugriff gehört ins Protokoll.
Wie geht das mit basebox?
basebox liest klinische Daten über einen FHIR-Konnektor (FHIR R4). Er wird für jedes Haus eingerichtet, denn KIS und Datenintegrationszentren setzen FHIR unterschiedlich um: im KIS nach ISiK, im Datenintegrationszentrum nach dem Kerndatensatz der Medizininformatik-Initiative, dazu Profile der Hersteller. Welche Daten basebox lesen darf und wie es sich anmeldet, klären wir vorab mit Ihrem Haus.
Für die Forschung bindet basebox nur Bestände an, die Ihr Haus dafür freigibt, etwa pseudonymisiert aus dem Datenintegrationszentrum. Forschungsgruppen und Stationen haben getrennte Gruppen, Wissensbereiche und Apps. Jede Forscherin und jeder Forscher bekommt einen persönlichen Schlüssel für die OpenAI-kompatible Schnittstelle; jeder Aufruf läuft mit den Rechten der Person und steht im Audit-Log. Mehr auf KI für Universitätskliniken.
Gibt es so etwas auch in der Schweiz und in Österreich?
In der Schweiz übernimmt das Swiss Personalized Health Network (SPHN) mit der sicheren Umgebung BioMedIT eine vergleichbare Aufgabe, mit eigenem Datenformat und eigenen Regeln (siehe SPHN und BioMedIT). In Österreich gibt es kein bundesweites Netz von Datenintegrationszentren nach dem Vorbild der MII. Das Austrian Micro Data Center der Statistik Austria öffnet Statistik- und Registerdaten für akkreditierte Forschungseinrichtungen; es ist kein Gegenstück zum DIZ einer Uniklinik.
Häufige Fragen
Ist das DIZ ein Teil des KIS?
Nein. Das KIS dient der Behandlung. Das DIZ übernimmt Daten aus dem KIS und anderen Systemen, bereitet sie für die Forschung auf und hat eigene Regeln, eine eigene Treuhandstelle und eigene Gremien.
Was ist der Kerndatensatz der Medizininformatik-Initiative?
Eine gemeinsame Festlegung, welche Daten jedes DIZ für stationäre Fälle mindestens vorhält, etwa Person, Diagnosen, Prozeduren, Laborwerte und Medikation. Technisch ist er in FHIR beschrieben, damit Abfragen an allen Standorten gleich funktionieren.
Kann ein Studienbüro über eine KI-Plattform Daten aus dem DIZ abfragen?
Nur wenn das Haus einen Bestand für dieses Projekt freigegeben hat und die Rechtsgrundlage stimmt. Der Antrag läuft über das DIZ und seine Gremien, nicht über die IT, die die KI-Plattform betreibt.
Gibt es Datenintegrationszentren auch in Österreich?
Ein bundesweites Netz von Datenintegrationszentren nach dem Vorbild der Medizininformatik-Initiative gibt es in Österreich nicht. Das Austrian Micro Data Center der Statistik Austria ist ein Zugang zu Statistik- und Registerdaten für die Wissenschaft und kein Gegenstück zum DIZ einer Uniklinik.
Quellen
- Medizininformatik-Initiative: 10 Jahre MII, Symposium 24./25.03.2026 ↗
- Medizininformatik-Initiative: Der Kerndatensatz ↗
- Medizininformatik-Initiative: Mustertext zur Patienteneinwilligung (Broad Consent) ↗
- Medizininformatik-Initiative: FDPG, Datenportal für medizinische Forschung (27.08.2024) ↗
- Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG) ↗
- Universitätsmedizin Göttingen: NUM-DIZ, Überführung der DIZ in das NUM ab 01.01.2023 ↗
- § 6 GDNG: Weiterverarbeitung von Versorgungsdaten durch Gesundheitseinrichtungen ↗
- Statistik Austria: Austrian Micro Data Center (AMDC) ↗
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, auf Grundlage der genannten Quellen. Verantwortlich für den Inhalt: basebox GmbH. Keine Rechtsberatung, keine Haftung. Stand der Recherche: 11. Oktober 2026.