KIS-Wechsel nach dem Ende von SAP IS-H und i.s.h.med: Was Kliniken jetzt entscheiden
SAP bietet für IS-H keinen Nachfolger auf S/4HANA an. Die reguläre Wartung endet Ende 2027, eine kostenpflichtige Verlängerung reicht bis Ende 2030; für das klinische System i.s.h.med bietet Oracle unter Bedingungen eine Verlängerung bis 2035. Kliniken entscheiden jetzt: nur Abrechnung ersetzen oder das ganze KIS, wie offen die Schnittstellen sein müssen und welche KI ins KIS gehört. Auswahl und Einführung dauern bis zu drei Jahre.
Was endet, und bis wann?
IS-H ist die Branchenlösung von SAP für Patientenmanagement und Patientenabrechnung im Krankenhaus, gebaut auf SAP ERP (ECC). Im Oktober 2022 hat SAP laut der Anwendervereinigung DSAG die eigene Entwicklung einer neuen Patientenabrechnung auf S/4HANA eingestellt; einen Nachfolger von SAP gibt es nicht. Patientenverwaltung und Abrechnung sollen künftig die KIS anderer Hersteller abdecken.
Für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 hat SAP die reguläre Wartung bis Ende 2027 zugesagt, danach eine optionale, kostenpflichtige Verlängerung (Extended Maintenance) bis Ende 2030. Danach bleibt nur eine kundenspezifische Wartung.
i.s.h.med ist ein klinisches System von Oracle (vormals Cerner), das auf IS-H aufsetzt und die medizinische Dokumentation abbildet. Laut DSAG stellt Oracle den Support ebenfalls ein, bietet unter bestimmten Bedingungen aber eine Verlängerung bis 2035 an (Stand Juli 2023). Prüfen Sie die Bedingungen in Ihrem Vertrag.
| Reguläre Wartung | Verlängerung | |
|---|---|---|
| SAP IS-H (Business Suite 7) | bis Ende 2027 | kostenpflichtig bis Ende 2030 |
| i.s.h.med (Oracle) | laut DSAG ebenfalls auslaufend | unter Bedingungen bis 2035 |
Stand Oktober 2026. Die Daten gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen.
Wie viel Zeit bleibt für den Wechsel?
Weniger, als die Jahreszahlen vermuten lassen. Die DSAG rechnet für Auswahl und Einführung eines neuen Systems mit bis zu drei Jahren und rät, früh mit Auswahl und Ausschreibung zu beginnen. Viele Häuser werden deshalb die kostenpflichtige Verlängerung bis 2030 brauchen.
Öffentliche Auftraggeber, etwa kommunale Häuser und Universitätskliniken, müssen ein neues KIS ausschreiben; bei dieser Größenordnung meist europaweit. Laut Krankenhaus-IT Journal haben bis Herbst 2025 zehn Anbieter Lösungen für die IS-H-Nachfolge vorgestellt, erste Pilotprojekte laufen. Zum Vergaberecht: Vergaberecht für KI in Deutschland, für Österreich und die Schweiz die Ratgeber zum BVergG und zur IVöB.
Welche Entscheidungen stehen an?
- Umfang: Nur Patientenmanagement und Abrechnung ersetzen, und das klinische System behalten? Oder das ganze KIS in einem Projekt? Läuft i.s.h.med, hängt die klinische Seite mit dran.
- Architektur: Ein KIS aus einer Hand oder einzelne Module mit offenen Schnittstellen. Die DSAG warnt vor neuen Abhängigkeiten, etwa wenn ein KIS Abrechnungslösungen anderer Hersteller nicht anbindet.
- Schnittstellen und Daten: Welche ISiK-Module sind bestätigt (nach § 373 SGB V)? Welche Daten stellt das KIS über FHIR für andere Systeme bereit, und zu welchen Bedingungen? Wie werden Altdaten übernommen?
- Betrieb: Im eigenen Rechenzentrum oder in der Cloud des Herstellers. In der Cloud gelten für Gesundheitsdaten die Nachweise nach § 393 SGB V.
- KI: Welche KI bringt das KIS mit, wo läuft sie, und was soll außerhalb des KIS laufen?
Wie sieht ein Wechsel in der Praxis aus?
Ein Beispiel: Das Klinikum Stuttgart hat sich nach einem europaweiten Vergabeverfahren für das KIS von Avelios Medical entschieden (Pressemitteilung vom 5. August 2026). Das Projekt ersetzt die bestehende Landschaft aus SAP IS-H und i.s.h.med vollständig, mit einer Einführung in der Cloud für alle klinischen und administrativen Kernprozesse. Avelios beschreibt sein KIS als KI-nativ, mit Gesprächsdokumentation, Entwürfen für den Entlassbrief und Kodiervorschlägen; der Vorstand des Klinikums nennt die strukturierten Daten als Grundlage für den KI-Einsatz.
Andere Häuser wählen ein etabliertes KIS und ersetzen zunächst nur die Abrechnung. Beides ist möglich; entscheidend sind Zeitplan, Budget und wie viel Umstellung die Abteilungen im laufenden Betrieb tragen.
Wie plant man KI beim KIS-Wechsel mit?
Zwei Fragen auseinanderhalten:
- KI im KIS: Gesprächsdokumentation, Arztbrief aus den Falldaten, Kodiervorschläge in den Masken des KIS. Das kommt mit dem Hersteller und gehört in die Ausschreibung: Was ist heute verfügbar, was angekündigt? Wo läuft das KI-Modell? Ist eine Funktion ein Medizinprodukt? Einen Überblick gibt KI im KIS: Was ORBIS, CGM, NEXUS und iMedOne können.
- KI für das ganze Haus: Leitlinien und SOPs, Verträge, E-Mails, Einkauf, Personal, Qualitätsmanagement. Diese Aufgaben brauchen das KIS nicht und müssen nicht auf den Wechsel warten. Mehr dazu: Horizontale KI-Plattform oder KI im Fachsystem.
Für die Ausschreibung lohnt ein Punkt, der oft fehlt: Das neue KIS soll Daten über eine dokumentierte Schnittstelle, etwa FHIR nach ISiK, auch für andere Systeme lesbar machen, mit den Rechten der jeweiligen Person. Dann lässt sich später jede KI anbinden, ohne dass sie vom KIS-Hersteller kommen muss.
Wie geht das mit basebox?
basebox ersetzt kein KIS und arbeitet neben jedem KIS. Die 140 Anwendungsfälle für Krankenhäuser laufen zum großen Teil ohne KIS, mit Dokumenten, Leitlinien und E-Mails, und damit auch während des Wechsels.
Ein KIS binden wir an, sobald der Hersteller den Zugang bereitstellt, etwa über die FHIR-Schnittstelle nach ISiK, eine Datenplattform Ihres Hauses oder eine Schnittstelle, die Ihr Haus schon nutzt; abgestimmt mit Ihnen und dem Hersteller. Die Konzeption ist kostenlos, danach gibt es einen Festpreis: für komplexe Systeme wie ein KIS 13.800 €, oder 6.900 €, wenn der Konnektor in unsere Bibliothek darf (Listenpreise netto). Wechselt das KIS, gilt für das neue System derselbe Weg: Der Hersteller stellt den Zugang bereit, dann bauen wir den Konnektor.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen IS-H und i.s.h.med?
IS-H ist die SAP-Branchenlösung für Patientenmanagement und Abrechnung. i.s.h.med ist ein klinisches System von Oracle (vormals Cerner), das auf IS-H aufsetzt und die medizinische Dokumentation abbildet. Fällt IS-H weg, ist auch i.s.h.med betroffen.
Reicht es, nur die Abrechnung zu ersetzen?
Das hängt vom Haus ab. Läuft i.s.h.med als klinisches System, steht mit IS-H auch die klinische Seite zur Entscheidung. Manche Häuser ersetzen beides in einem Projekt, etwa das Klinikum Stuttgart.
Sollten wir mit KI warten, bis das neue KIS läuft?
Nicht unbedingt. Viele Aufgaben brauchen das KIS nicht: Leitlinien, SOPs, Briefe, E-Mails, Verwaltung. Eine KI-Plattform für diese Aufgaben läuft unabhängig vom KIS und wird nach dem Wechsel an das neue System angebunden, sobald der Hersteller den Zugang bereitstellt.
Was hat ISiK mit dem KIS-Wechsel zu tun?
ISiK legt fest, wie Krankenhaussysteme Daten über FHIR bereitstellen. Ein KIS mit bestätigten ISiK-Modulen erleichtert die spätere Anbindung weiterer Systeme, auch einer KI. Lassen Sie sich in der Ausschreibung zeigen, welche Module bestätigt sind.
Quellen
- SAP News: Wartungszusage für SAP S/4HANA und SAP Business Suite 7 (Februar 2020) ↗
- DSAG: Pressemeldung zur IS-H-Nachfolge und Extended Maintenance (18.07.2023) ↗
- Krankenhaus-IT Journal: SAP IS-H Ende, DSAG warnt vor Abhängigkeiten (17.10.2025) ↗
- Avelios Medical: Pressemitteilung „Klinikum Stuttgart setzt auf Avelios“ (05.08.2026, PDF) ↗
- Avelios Medical: Website mit KI-Funktionen und IS-H-Nachfolge (abgerufen 11.10.2026) ↗
- gematik: ISiK, Informationstechnische Systeme in Krankenhäusern ↗
- § 373 SGB V: Festlegungen für Schnittstellen in Krankenhaus und Pflege ↗
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, auf Grundlage der genannten Quellen. Verantwortlich für den Inhalt: basebox GmbH. Keine Rechtsberatung, keine Haftung. Stand der Recherche: 11. Oktober 2026.