Anonymisierungs-Proxies und vertrauliche KI: Marktüberblick DACH und Frankreich
In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich gibt es mehr als ein Dutzend Angebote, die KI-Anfragen schützen. Die meisten sind Pseudonymisierungs-Proxies: Sie ersetzen Namen und Daten vor dem Versand an ein externes Modell, etwa AEGIS, AUSTR.AI, aiproxy, Kiji oder AIGuard. Andere sind Gateways mit Regeln und Maskierung. Privatemode und enclaive rechnen das Modell in geschützter Hardware. Viele Angebote sind jung oder in Beta, Stand Oktober 2026.
Welche Arten von Angeboten gibt es?
Die Angebote lösen verschiedene Probleme und schließen sich nicht aus:
- Pseudonymisierungs-Proxy: Ersetzt personenbezogene Angaben vor dem Versand an ein externes Sprachmodell und setzt sie in der Antwort wieder ein.
- KI-Gateway mit Datenschutzregeln: Ein zentraler Zugang zu mehreren Modellen, der sensible Angaben erkennt, maskiert, blockiert oder protokolliert, oft ohne automatische Wiederherstellung.
- Vertrauliche Inferenz: Das Modell rechnet in einer hardwaregeschützten Umgebung (Trusted Execution Environment, TEE); der Betreiber der Infrastruktur soll keinen Zugriff auf Klartext haben. Grenzen dieser Technik stehen im Ratgeber Confidential Computing bei KI.
Die Angaben unten stammen von den Websites und Repositories der Anbieter, abgerufen am 11. Oktober 2026. Sie sind keine Bewertung. Preise sind meist nicht veröffentlicht.
Welche Anbieter gibt es in Deutschland?
| Anbieter | Art | Wo die Erkennung oder Rechnung läuft | Externe Modelle laut Anbieter | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Privatemode (Edgeless Systems) | Vertrauliche Inferenz | Verschlüsselung beim Kunden, Modell in geschützter Hardware in der EU | Keine Weiterleitung; offene Modelle verschiedener Hersteller | aktiv |
| enclaive (Garnet, PrivacyMode) | Vertrauliche Inferenz und Proxy | Beim Kunden, in einer Cloud oder als Dienst von enclaive; Zuordnung innerhalb der geschützten Umgebung | OpenAI, Anthropic, Google | aktiv |
| Vencla | Gateway mit umkehrbarer Tokenisierung | Im Netz des Kunden oder im Browser | OpenAI, Anthropic | Pilotphase |
| Noirdoc | Gateway mit optionaler Maskierung | öffentlich nicht angegeben | mehrere, u. a. über Azure und Google Vertex | aktiv |
| DFKI Privacy Guardrail | Proxy als Browser-Erweiterung, Open Source | Nur im Browser | OpenAI, Anthropic, Google | öffentliche Beta |
| pii-cloak | Proxy | Cloud des Anbieters, Server in Deutschland | OpenAI, Anthropic, Mistral AI, Azure OpenAI, lokal | aktiv |
Privatemode nennt auf seiner Website als Anwender unter anderem die Bundesagentur für Arbeit (dort als Test beschrieben), die HÄVG (Test) und die ID GmbH & Co. KGaA. Die Krankenhäuser, die Software von ID einsetzen, sind damit nicht automatisch Kunden von Privatemode.
Welche Anbieter gibt es in Österreich und der Schweiz?
| Anbieter | Land | Art | Wo die Erkennung läuft | Externe Modelle laut Anbieter | Stand |
|---|---|---|---|---|---|
| AEGIS (Kaino GmbH, Innsbruck) | AT | Proxy als Browser-Erweiterung | In der EU-Infrastruktur des Anbieters | OpenAI, Anthropic, Google, Perplexity | aktiv |
| AUSTR.AI (Wien) | AT | Proxy als Chat-Programm | Auf dem eigenen Rechner oder einem selbst betriebenen Server | OpenAI, Anthropic, Google, Mistral AI, lokal | Beta |
| aiproxy (d-side solutions, Bulle FR/CH) | CH | Proxy mit Chat, auch für Dokumente | Auf einem Server des Anbieters in der Schweiz | Anthropic | Pilot |
| Klyo | CH (Gesellschaft in den USA) | KI-Arbeitsplatz mit Maskierung und Tokenisierung | Beim Kunden, in Schweizer Rechenzentren oder großen Clouds | zahlreiche Anbieter | aktiv |
Für Österreich und die Schweiz haben wir keine öffentlichen Referenzen aus Gesundheitswesen oder Verwaltung gefunden. Das heißt nicht, dass es keine gibt.
Welche Anbieter gibt es in Frankreich?
| Anbieter | Art | Wo die Erkennung läuft | Externe Modelle laut Anbieter | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Kiji Privacy Proxy (Dataiku), Open Source | Proxy | Lokal: Desktop-Programm oder Server des Kunden | OpenAI, Anthropic, Google, Mistral AI | allgemein verfügbar seit April 2026 |
| AIGuard | Proxy auf dem Rechner | Auf dem Rechner der Person | OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft, Mistral AI, Perplexity | aktiv, zunächst Windows |
| Privasee | Proxy als Browser-Erweiterung, für Steuerkanzleien | Im Browser, bei Bedarf über den Anbieter in der EU | OpenAI, Anthropic, Google, Perplexity | aktiv |
| Sas de confiance IA (Comptoir des Signaux), Open Source | Proxy für Gebietskörperschaften | Lokal beim Kunden | europäische Anbieter und lokale Modelle | frühe Version 0.1 |
| Mithril Security | Vertrauliche Inferenz | In geschützter Hardware | – | BlindAI laut Repository nicht mehr aktiv gepflegt, BlindLlama als Prototyp gekennzeichnet |
Worauf achten Sie bei der Auswahl?
- Wer sieht Klartext? Läuft die Erkennung in der Cloud des Anbieters, ist er regelmäßig Ihr Auftragsverarbeiter und braucht einen AVV.
- Wie gut ist die Erkennung bei Ihren Texten? Hausinterne Kürzel, Freitext und Anhänge sind die typischen Lücken (Re-Identifikationsrisiko).
- Wie viel Kontext bleibt? Ersetzte Angaben können die Antwort verschlechtern (Kontextverlust).
- Wie reif ist das Produkt? Mehrere Angebote sind in Beta oder Pilotphase.
- Keine pauschale Freigabe bekannt. Eine allgemeine Freigabe einer bestimmten Proxy-Software durch die Aufsichtsbehörden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich ist uns nicht bekannt (Stand Oktober 2026); die Datenschutzkonferenz verlangt die Prüfung im Einzelfall. Rechnet der Modellanbieter in Ihrem Auftrag, sind die Daten auch für ihn personenbezogen (Ist pseudonymisierte KI-Nutzung DSGVO-konform?).
Für Patientendaten gibt es eine eigene Checkliste mit Nachweisen.
Wo steht basebox in diesem Markt?
basebox ist kein Proxy und keine vertrauliche Inferenz, sondern eine andere Architekturentscheidung: Plattform und KI-Modell laufen in Ihrer Umgebung, auf einem Server nur für Sie oder in einer eigenen Umgebung in unserer Cloud im Rechenzentrum München-Ost. Die Daten gehen standardmäßig an kein KI-Modell eines anderen Anbieters, deshalb muss vorher nichts ersetzt werden. basebox gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Cloud und Server, in Frankreich als Server. Die Wege im Vergleich stehen im Ratgeber Anonymisierung oder eigene KI-Infrastruktur.
Häufige Fragen
Ist Privatemode ein Proxy zu externen Sprachmodellen?
Nein. Nach der Dokumentation von Edgeless Systems läuft das Modell selbst in einer vertraulichen Rechenumgebung mit geschützten Grafikprozessoren. Der Proxy auf Kundenseite prüft die Attestierung und verschlüsselt, er ersetzt keine Namen und leitet nicht an andere Modellanbieter weiter.
Hat eine Aufsichtsbehörde einen dieser Proxies freigegeben?
Eine allgemeine Freigabe einer bestimmten Proxy-Software oder einer Technik für vertrauliches Rechnen durch die Datenschutzkonferenz, die Datenschutzbehörde in Österreich, den EDÖB oder die CNIL ist uns nicht bekannt (Stand Oktober 2026). Bewertet wird der einzelne Einsatz.
Wo läuft die Erkennung der personenbezogenen Daten?
Das ist je Produkt verschieden: im Browser oder auf dem Rechner (etwa DFKI Privacy Guardrail, AIGuard, Kiji), auf einem Server beim Kunden oder in der Cloud des Anbieters (etwa AEGIS, aiproxy, pii-cloak). Davon hängt ab, wer Klartext sieht und ob Sie einen AVV mit dem Proxy-Anbieter brauchen.
Quellen
- Privatemode: Architektur (docs.privatemode.ai), abgerufen am 11. Oktober 2026 ↗
- Privatemode: Fallstudie Bundesagentur für Arbeit ↗
- Privatemode: Fallstudie HÄVG ↗
- Privatemode: Fallstudie ID GmbH & Co. KGaA ↗
- enclaive: Garnet ↗
- Vencla ↗
- Noirdoc ↗
- DFKI: Privacy Guardrail (GitHub) ↗
- pii-cloak ↗
- AEGIS (Kaino GmbH) ↗
- AUSTR.AI ↗
- d-side solutions: aiproxy ↗
- Klyo ↗
- Dataiku: Kiji Privacy Proxy (GitHub) ↗
- Dataiku: Dataiku launches Kiji Privacy Proxy ↗
- AIGuard ↗
- Privasee ↗
- Comptoir des Signaux: Sas de confiance IA (GitHub) ↗
- Mithril Security: BlindAI (GitHub) ↗
- Datenschutzkonferenz: Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz (6. Mai 2024) ↗
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, auf Grundlage der genannten Quellen. Verantwortlich für den Inhalt: basebox GmbH. Keine Rechtsberatung, keine Haftung. Stand der Recherche: 11. Oktober 2026.